Tierische Instinkte

Am vergangenen Wochenende war ich mal wieder bei meinen Eltern zu Besuch. Besonders freue ich mich mit der Ziva, dem Hund meiner Eltern, Gassi zu gehen.

Beim Spazierengehen trifft man (leider) mit ziemlicher Sicherheit auf andere Hundebesitzer, die ebenfalls mit ihren vierbeinigen Freunden unterwegs sind. Dabei ist es immer wieder interessant zu beobachten, wie sich alle gegenseitig am Hintern beschnuppern. Also die Hunde natürlich. Für die ist das ganz normal. Genauso machen sie es bei uns, einmal die Nase zwischen die Beine gesteckt und schon ist für Hunde alles geklärt.
 

Achtung Zeitsprung!
Am folgenden Montag auf der Arbeit stellte sich ein neuer Kollege in den Abteilungen vor und ich kam kurz mit ihm ins Gespräch.

Kollege: „Hallo! Ich bin xy.“
Ich stellte mich ebenfalls vor und gab brav Pfötchen.

Kollege: „Was hast du für einen Aufgabenbereich? Wie lange arbeitest du schon hier?“
Ich erklärte ihm, was so meine Aufgaben sind und ich schon fast zehn Jahre in der Firma bin.

Kollege: „Okay. Interessant. Bist du denn verheiratet?“
Ich: „Nein?!“
Kollege: „Aber du bist leiert, oder?“
Ich: „Nein!“
Kollege: „Oh! Aber du hast doch sicher Kinder?“
Ich: „Nein, auch nicht.“
Kollege: „Echt? Oh. Okay!? Also ich habe zwei Kinder, bin aber geschieden.“
Ich: „Okay!“
Was soll man da auch sonst noch groß erwidern.

Außerdem fühlte ich mich schon wieder in eine Ecke gedrängt. Wie konnte es auch sein, dass ich in meinem Alter keine Kinder und keinen Partner habe, wo es mein neuer Kollege mit Mitte 20 bereits zu zwei Kindern und einer Scheidung gebracht hatte.

Eigentlich ist die Familien- und Lebensplanung jedem selbst überlassen, trotzdem gab mir die kurze Unterhaltung das Gefühl mit einem Makel behaftet zu sein.

Schlussendlich erinnerte mich die ganze Situation allerdings an das Begrüßungsritual unsere vierbeinigen Freunde. So wie es aussieht, bleiben wir alle irgendwie Tiere mit tierischen Instinkten, wobei wir uns ja zum Glück nicht zwischen den Beinen beschnüffeln. Dennoch wird in solchen Kennenlern-Gesprächen der soziale, gesellschaftliche und gesundheitliche Status abgeklopft.

Die Schnüffel-Variante geht natürlich schneller und ist einfacher. Vor allem ist sie ehrlich, denn der Geruch – Gestank, wollte ich nicht schreiben – entlarvt jeden, der sich hinter Worten verstecken möchte.

Neulich… auf der Arbeit (9)

Neulich ist mir wieder aufgefallen, wie mitteilsam so mancher Kollege ist. Die Betonung liegt auf Kollege, denn Frauen sind bei manchen Themen einfach verschlossener.

Einer meiner Kollegen muss jeden Gang zur Toilette erst großartig ankündigen und nach erledigtem Geschäft berichten, wie es denn war.

Beispiele „Vorher“:
„Boah, ich muss ja schon wieder. Naja, kein Wunder, ich hab ja auch schon zwei Flaschen Wasser getrunken!“
oder
„Ist meine Blase voll. Ich muss jetzt erstmal aufs Töpfchen, sonst mach ich in die Bux!“
oder
„Was pluppert jetzt in meinem Darm so? Oh Gott, ich krieg Durchfall, jetzt aber schnell!“

 
Beispiele „Nachher“:
„Das war aber knapp. Habs grad noch so geschafft!“
oder
„Ahhh. Ist das eine Erleichterung. Ahhhh!!! Ohhhh!!!“
oder
„Mensch. Das war wirklich Durchfall. Das war ganz dünn, fast wie Wasser. Nur braunes Wasser!“

 
Das Schlimme dabei ist, meistens bin ich gerade einen Joghurt oder Apfel am essen, wenn solche Bemerkungen fallen.

Irgendwann reist mir der Geduldsfaden und dann sage ich: „Boah, hab ich heute vielleicht Bauchschmerzen. Meine Tage sind heute wieder heftig. Ich musste schon dreimal den Tampon wechseln. Da kommen auch total die dicken Blutklumpen mit raus!“
Dann will ich meinen Kollegen mal sehen, der reihert mir glatt vor die Füße oder kippt mir aus den Latschen. Aber mit ziemlicher Sicherheit beschwert er sich – hintenrum natürlich – bei meinen Kollegen, was ich denn so erzähle.

Aber ich will mir auch nicht jeden Scheiß anhören.

Willkommen auf der Erde, Fremdling!

Ein Fremdling werde ich wohl immer auf diesem Planeten bleiben, trotz der vielen Versuche mich halbwegs an die Gepflogenheiten der Erdlinge anzupassen. Doch bei so vielen Beiträgen im Fernsehen, Radio und in Zeitschriften sowie bei Unterhaltungen von Kollegen, Verwandten und Bekannten wird mir schmerzhaft bewusst, wie weit ich doch von dem entfernt bin, was als normal betrachtet wird.

Schmerzhaft ist hauptsächlich die entstehende Distanz und Einsamkeit, die von fehlenden Erfahrungen und andersartigen Verhaltens-/Lebensweisen geschaffen wird. Außerdem ist da ein starkes Gefühl des Verlusts über etwas, was ich ja gar nicht kenne oder auch nicht habe.
Der Gedanke „Wovon reden die da eigentlich?“ hinterlässt ein Loch irgendwo tief in meinem Herzen und ich frage mich, wieso ich so manche Erfahrungen nicht machen durfte oder konnte, und wieso manche Dinge einfach nicht Teil meiner (Gedanken-)Welt sind.

Nachfolgend ein paar Aussagen, die mich nachdenklich und auch traurig gemacht haben.

In meiner Sturm- und Drangzeit…
… ist so eine Phrase, mit der ich gar nichts anfangen kann. Ok, ich habe da so eine Idee, was eine Person mit diesem Satz sagen will. Sie beschreibt wohl diese Phase des Partymachens, des sorgenfreien Lebens als Teenager oder als Student, des Experimentierens mit dem anderen Geschlecht, der ersten großen Liebe usw.
Aber wann soll denn diese Zeit sein? Ich bin jetzt Anfang 40. Sollte die noch kommen oder war die schon? Und was stürmt da eigentlich oder drängt denn da? Oder bleiben manche Menschen einfach von solchen Naturkatastrophen verschont?

 
Hat sich der Sturm erstmal gelegt…
… und der Drang – nach was auch immer – scheint befriedigt, soll angeblich der Lebensabschnitt folgen, in dem bedeutende Entscheidungen zu Beruf, Wohnort, Partnerwahl und Anzahl der Kinder zu treffen sind.
Wohlgemerkt, zu treffen sind. Das klingt nach einer Art Pflichtprogramm, das jeder Erdling zu absolvieren hat.
Und der Fremdling vom zweiten Planeten links konnte sich nach 40 Erdenjahren immer noch nicht für einen Beruf entscheiden und versteht auch gar nicht, wozu das gut sein soll.
Und der Wohnort? Heutzutage doch kaum noch eine Konstante, genauso wie ein Partner.
Die Anzahl der Kinder ist eine klare Vorgabe, bei der Null nicht als mögliche Entscheidung zugelassen wird, ansonsten hat man sich zu rechtfertigen. Besonders als Frau.
Sind das wirklich die bedeutenden Punkte, die für ein gesellschaftskonformes Leben entscheidend sind? Ist es nicht weitaus wichtiger, ob man glücklich ist, egal was die Gesellschaft dazu sagt?

In diesem Zusammenhang wird neuerdings immer von der Rushhour des Lebens gesprochen. Schon wieder was, was treibt und drängt und die Lebensuhr schneller ticken lässt.
Laut meinen Recherchen soll es da auch noch zwei eilende Uhren geben, die entscheidende Meilensteine in einem Menschenleben sein sollen.
Bei der Rushhour der Lebensentscheidungen muss man den richtigen Berufseinstieg wählen, der auch gute Aufstiegschancen bietet. Und auf der anderen Seite soll dann noch der gemeinsame Haushalt und die Familiengründung umgesetzt werden.
Zudem gibt es da die Rushhour des Familienlebens, wo der Alltag mit kleinen Kindern zu stemmen ist. Oder das Zeitfenster für weibliche Akademiker rasend schnell kleiner wird, um überhaupt Kinder zu bekommen.

Auf dem Bild, was bei diesen Aussagen in meinem Kopf erscheint, sehe ich mich ganz ruhig auf einer Straße stehend und alle Menschen huschen rechts und links als verschwommene Schemen an mir vorbei.

Mit 41 Lebensjahren bin ich immer noch auf dem Stand eines Abiturienten. All die angeblich wichtigen Lebensentscheidungen liegen noch weit vor mir in dunkler Zukunft oder werden nie ins Licht treten. Oder ich habe irgendwie den Zug der Zeit verpasst und stehe nun auf einem stillgelegten Bahnhof, denn ich werde nie Kinder bekommen, einen „gemeinsamen Haushalt“ gründen und habe auch sonst keine Ambitionen Karriere zu machen.

 
Aber halt!
Da gibt es ja noch den beliebtesten Leistungsträger unserer Gesellschaft. Die Singlefrau zwischen 30 und 40 Jahren, die jung und attraktiv ist und – typisch Frau – sehr gut sozial vernetzt, dabei noch zielstrebig an ihrem Erfolg arbeitet.
Nun ja, die 40 habe ich ja überschritten. Bin ich denn dann noch jung? Oder ist jung relativ?
Attraktiv soll ich ja außerdem sein. Attraktivität ist – wie so vieles – Geschmackssache. Ich halte mich schon für einigermaßen attraktiv, bin aber mit dieser Meinung alleine.
Was soll die Singlefrau noch sein?
Sozial sehr gut vernetzt.
Ja. Bin ich definitiv nicht. Muss ich das denn, um ein Leistungsträger zu sein?
Ach nein, das soll ich sicher im Beruf sein.
Erfolgreich.
Ja. Bin ich definitiv auch nicht. Zumindest solange nicht, wie ich in meinem derzeitigen Job tätig bin. Ich verfolge da nämlich sehr zielstrebig die Grasnarben-Technik, also möglichst tief stapeln, damit man wenig Aufmerksamkeit und folglich wenig Sonderarbeit bekommt.

 
„Wenn ich irgendwann verheiratet bin…
… und Kinder habe, brauche ich ein gutes Einkommen, damit ich meiner Familie auch was bieten kann.“
(Aussage von einem männlichen Arbeitskollegen im Alter von 21 Jahren.)

Für die meisten scheint es selbstverständlich, dass da irgendwann ein Partner ist und dann auch noch einer mit dem man den Rest seines Lebens verbringen wird. Ein Mensch, mit dem man zusammenzieht, ein Bett teilt und beizeiten Kinder hat.
Wo kommt denn bei den Erdlingen dieses Urvertrauen her, dass sich irgendwann ganz automatisch zwei Personen finden, die sich dann auch noch zur gleichen Zeit ineinander verlieben? Und es bleibt meist auch nicht bei dieser einen Liebe.
Und bei mir? Ich verliebe mich immer in Männer, die sich nicht für mich interessieren und in mich verlieben sich Männer, die ich zum Schreien finde. Wieso?

 
„Ich möchte auf jeden Fall der Welt noch ein Teil von mir hinterlassen.
Ein Leben ohne Kinder ist zwar ganz schön, aber ich könnte es nicht ertragen auf einen Stammbaum zurück zu blicken, der bei mir endet.“
(Aussage von einem männlichen Arbeitskollegen im Alter von 26 Jahren.)

Wie sorgenfrei und glücklich doch ein Leben sein kann, wenn man Zeit hat über seinen Stammbaum nachzudenken.

 
„Die Studentenfeten müssen angeblich was ganz besonderes sein!“
… war eine Bemerkung, die ich ebenfalls auf der Arbeit aufschnappte und die mich unsichtbar werden ließ, denn ich war die einzige Person mit einem Hochschulabschluss. Mein Unsichtbarkeits-Modus war wohl an dem Tag defekt, alle schauten mich wartend an.
Ich schaute wartend zurück.
Alle lachten und einer meinte dann: „Nu sag schon!“
Ich: „Was denn?“
Er: „Ja, wie sind denn die Studentenfeten so?“
Ich: „Keine Ahnung! Bin nie auf einer gewesen!“
Er: „Du hast aber doch studiert? Und recht lange, meines Wissens!“
Ich: „Ja. 21 Semester. Aber ich gehe halt nicht gern auf Partys!“
Alle: — Stille —

 
„Jeder Lebensabschnitt hat so seine besonderen Herausforderungen, …
…wo man sich drauf einstellen muss. In jungen Jahren feiert man viel, geht oft ins Kino oder schön in Restaurants essen. Dann trifft man seine Berufswahl und mit Mitte 20 entscheidet man sich für eine Frau und bekommt Kinder. Ein Haus muss gebaut werden. Jeder Lebensabschnitt der Kinder bringt dann auch wieder ganz neue Herausforderungen. Wird man dann älter, geht man nicht mehr jeden Tag abends noch mit den Freunden irgendwo hin.
Jetzt sind die Kinder aus dem Haus. Da muss man sein Leben auch wieder neu ausrichten. Wenn ich in ein paar Jahren in Rente bin, gehe ich ja nicht mehr so viel weg, da brauche ich auch weniger Geld.“
(Aussage eines Arbeitskollegen, 52 Jahre)

Nach so vielen Worten war ich erstmal sprachlos, auch über das Gehörte. Das beschreibt wohl so ungefähr die oben erwähnte Rushhour.
Ich schließe daraus, dass die große breite Masse wirklich ihr Leben so verbringt. Weiter entfernt könnte mein Planet nicht von der Erde sein.
Gibt es bei mir auch so eine Einteilung?
Ich habe die ersten 20 Jahre mit Schule verbracht. In dieser Zeit bin ich weniger als zehnmal weggegangen. Dann habe ich zehn Jahre studiert und bin gar nicht mehr weggegangen. Halt! Auf Konzerten war ich gelegentlich. Alleine. Kinder waren sowieso nicht geplant.
Dann habe ich zwei Jahre nach einer Arbeit gesucht. Seit fast zehn Jahren gehe ich nun arbeiten. Es ist bei circa einem Konzert pro Jahr geblieben. In den 10 Jahren war ich auf einem Tupperabend und zwei Thermo-Mix-Veranstaltungen.

Eigentlich war ich immer nur im Überlebensmodus, um irgendwie mit den Überforderungen des Erdling-Lebens klar zu kommen. Ist das die Herausforderung, die sogenannte Rushhour?

 
„Woher kenne ich dich denn?“
Auf einem Thermo-Mix-Abend wurde mir diese Frage von einer gleichaltrigen Teilnehmerin gestellt.
„Ähh, ich glaube nirgendwoher!?“, war meine Antwort.
Sie: „Doch, doch, doch! Warte!“… „Aus dem Kindergarten. Richtig?“
Ich: „Nein. Ich habe keine Kinder.“
Sie: „Echt jetzt. Wieso das denn nicht? Naja, ist ja nicht so schlimm. Du hast ja noch ein wenig Zeit.“… „Dann kennen wir uns vom Fußballplatz. Spielt dein Mann nicht im FC xy?“
Ich: „Ich habe keinen Mann.“
Sie: „Na dann halt Freund!“
Ich: „Ich bin allein lebend.“
Sie: „Echt jetzt?! In dem Alter? Wie alt bist du denn?“
Ich: „33.“
Sie: „Aber das ist doch das richtige Alter, um jetzt den 2nd-Hand-Männer-Markt abzugrasen. Mit 30 lassen sich ja die ersten wieder scheiden und dann kannst du endlich als Mutter durchstarten.“

Genau wegen solchen Aussagen verbringe ich viel Zeit im Überlebensmodus und meide möglichst Horden von First-Hand-Müttern.

Überleben in der Wirklichkeit…

…ist mitunter gar nicht so einfach, wenn man mit ungeplanten Problemen konfrontiert wird.

Gibt es auch geplante Probleme?

Ungeplant, wenn auf einmal das Auto nicht mehr fährt und man – oder besser gesagt, ich (denn Mann wüsste wahrscheinlich, was zu tun ist) – verloren in der Pampa steht.

Bei Autos sagt man ja immer, sie fangen mit Ahhh! an und hören mit Ohhh! auf.

Ich steh nicht auf Ahhhs! und Ohhhs! Für mich ist es immer ganz wichtig, dass die Welt um mich herum reibungslos funktioniert, da ich derzeit (so seit circa 10 Jahren) energietechnisch nicht sonderlich gut aufgestellt bin. Denn der ganz normale Arbeitsalltag saugt mich eigentlich schon mehr oder weniger komplett leer. Kommt dann noch irgendetwas Unvorhergesehenes dazu, geht mein ganzer Körper in Alarmbereitschaft.

Den Zustand nenne ich – ich hatte es schon mal erwähnt – rasender Stillstand. Innerlich ist alles am Rotieren und überschlägt sich, aber nach außen hin scheint alles wie eingefroren. Die Kraft sich zu bewegen, die Augen offen zu halten, das alles ist wie lahmgelegt.

Übrigens wie bei meinem Auto momentan. Der Turbo hat sich verabschiedet, sodass ich mit hoher Drehzahl im dritten Gang das Auto nur bis 60km/h getreten bekomme (auf ebener Fläche).
Mein Auto und ich! Sieh an!

Nun gibt es allerdings immer wieder Umstände im Alltag, die einen unvorbereitet ins Chaos stürzen. Dann liegen die Nerven blank und ich dreh voll am Rad. Die Gedanken drehen sich nur noch um das eine Problem, alles andere bleibt unerledigt liegen. Das Gedankenkarussell produziert als Folge einen Weltuntergang nach dem nächsten.

Ist das eigentlich normal? Oder geht das nur mir so? Gibt es irgendetwas zur Beruhigung?

In solchen Situationen fühle ich mich immer wie ein kleines Kind, dass hilfesuchend zu Mama will und dort dann alle Probleme aus der Welt geschafft werden.
Ich werde wohl nie erwachsen. Oder?

Der Traum vom Eigenheim

Ich vermute, jeder Mensch hat früher oder später den Wunsch ein eigenes Haus zu bauen und somit sein eigenes Reich nach seinen Vorstellungen zu schaffen und zu gestalten.

Für die meisten Normalos scheint wohl klar zu sein, dass ein Haus für eine ganze Familie gebaut werden muss, also ein Paar mit mindestens einem Kind. Das würde für mich zumindest erklären, wieso immer noch so große Häuser gebaut werden.
Nun bin ich allerdings alleine und werde mit der allergrößten Sicherheit keine Kinder bekommen. Aus meiner Sicht betrachtet, ist es daher völliger Unsinn ein großes Haus zu bauen.
Aber generell muss man sich ja mal überlegen, wieviel so ein Eigenheim kostet und wieviel Zeit man wirklich in diesem Zuhause verbringt.

An dieser Stelle beginne ich natürlich schon wieder die Sinnhaftigkeit eines Normalo-Wohnhauses zu hinterfragen. Das nachfolgende Szenario zeigt daher die Betrachtungsweise der NT-Welt von meinem Standpunkt aus, die – so vermute ich – auf viele verschroben bis ziemlich radikal wirken mag.

Der Normalo kauft also ein Grundstück irgendwo zwischen 400-700qm groß. Dann kommt darauf ein Haus für 3-4 Personen, wobei ja zunächst nur zwei Personen vorhanden sind, aber vorsorglich für die wundersame Reproduktion vorgeplant wird.
Die meisten müssen für so einen „Protzbau“ einen Kredit aufnehmen, der sie jahrelang knechtet. Entschuldigung, wenn ich „Protzbau“ schreibe, aber ich sehe es gerade wieder in der Nachbarschaft, die Häuser – selbst für vier Personen – sind einfach total überdimensioniert und wirken auf mich halt protzig.
Nun steht da also so ein riesiges Haus, die Besitzer jedoch müssen ackern, damit sie den Kredit abbezahlt bekommen. Das bedeutet, bei 8h Regelarbeitszeit mit einem Anfahrtsweg von 1-2h, sind dann schon mal 9-10h weg, die man nicht in seinem teuren Haus verbringen kann.
Außerdem müssen wir noch die Zeit abziehen, die wir schlafend in unseren vier Wänden verbringen. Der eine braucht mehr, der andere weniger Schlaf. Sind 7h ein guter Durchschnitt?
Als Zwischenbilanz sind das 16-17h, die das riesige Haus entweder als Abstell- oder als Schlafkammer benutzt wird.
Außerdem hat der Normalo noch Hobbys (Fitnessstudio, Sportvereine oder andere Vereine), denen er auch nicht zu Hause nachgeht.
Nur den Haushalt, den macht er natürlich daheim. Dafür hat man ja ein Haus, um Haushalt zu machen. Zudem braucht das Haus und der Garten ein gewisses Maß an Pflege, damit die Nachbarn einen guten Eindruck von einem haben und nicht schlecht über einen reden. So ein Haus ist also auch ein Aushängeschild für die Nachbarn.

Und was vom Tage übrig bleibt? Ein paar wenige Stunden, die der moderne homo sapiens mit was füllt? Er hockt vor der Klotze, dem PC oder Smartphone.
Sind dann irgendwann Kinder da, hat der Tag mitunter viel zu wenig Stunden. Wenigstens kommen die bisher als Hobbyraum zweckentfremdeten Kinderzimmer nun ihrer wahren Bestimmung nach. An dem riesigen tollen Haus kann man sich aber so wirklich nicht erfreuen. Oder?

Grundsätzlich muss ich mir aber die Frage stellen, was an einem Eigenheim denn eigentlich die Freude bringt. Ist ein Haus denn nicht ein eher passiver Gegenstand? Also ein Ort, wo man seine Sachen lagern und schlafen kann?
Nach meiner Meinung ginge das aber auch deutlich kleiner und effizienter. Z.B. mit einem Modulhaus, was an die jeweilige Lebensphase angepasst und sogar bei einem Ortswechsel einfach mitgenommen werden kann.

Stellen wir uns vor, zwei Menschen finden sich, beschließen – optimistisch gedacht – den Rest des Lebens miteinander zu verbringen und möchten nun ein Haus bauen. Wie viel Platz jeder für sich beansprucht und wie viele Zimmer es werden, darüber lässt sich streiten. Definitiv überflüssig sind allerdings zunächst Kinderzimmer.
Ist dann ein Kind im Anmarsch, kann das Haus um ein Zimmer erweitert werden, was auch erst ab diesem Zeitpunkt finanziert werden muss.
Gibt‘s das denn? Ja, gibt es. Die Häuser sind sogar noch viel billiger als die 0815-Häuser.
Der große Vorteil dabei ist, ist der Nachwuchs einige Jahre später ausgezogen, kann man das nun überflüssige Zimmer wieder zurückbauen und verkaufen. Denn im Gegensatz zu dieser Lösung bezahlen viele Normalo-Eltern nämlich noch Kredite ab, obwohl die lieben Kleinen schon längst ausgezogen sind.
Was man ebenfalls bedenken sollte, wir werden alle älter und bekommen die ein oder anderen Beschwerden (Bandscheibenvorfall etc.) und da ist man froh, wenn man wenige Räume sauber machen muss und alles auf einer Ebene liegt.

Ihr merkt sicher, dass so ein 0815-Haus mit der dazugehörigen Normalo-Denkweise, absolut gar nichts mit meiner Welt zu tun hat.
Viele werden jetzt sagen: „Wieso willst du denn überhaupt bauen? Such dir doch eine Wohnung!“
Dazu kann ich sagen: „Ich lebe in einer Eigentumswohnung in einem Mehrparteienhaus. Dort fühle ich mich aber nicht wohl. Mir fehlt die Distanz zu anderen Menschen. Ich habe keinen Garten. Ich kann nicht so laut Musik hören und machen, wie und wann ich will.“
Daher ist der Wunsch nach mehr Distanz in den letzten Jahren immer stärker geworden.

Wir können ja mal einen Blick in meine Welt wagen. Dazu muss man vorab erwähnen, ich denke und lebe in der Einzahl. Zwar nicht gewollt, aber was will man machen.
Außerdem ist mein Wunsch natürlich freiberuflich/selbstständig zu arbeiten, was bedeutet, mein Haus ist auch gleichzeitig mein Arbeitsplatz.
Mir schwebt daher ein sehr kleines Haus, so ca. 60-70qm, vor. Zudem soll alles auf einer Ebene sein und nur die absolut notwendige Ausstattung haben.

Gute Planung ist alles. Welche Räume brauche ich? Was brauche ich noch?
– Küche
– Schlafzimmer
– Bad
– Haustechnik-Raum / Abstellraum
– Diele
– Kombi-Arbeits/Relax-Raum
– Carport oder Garage mit Platz für Mülltonnen
– kleiner Garten

Raumausstattung
Küche: Kühlschrank, Herd/Backofen, Spülmaschine, Spüle, Gefriertruhe, Schränke, Arbeitsbereich mit Platz für Mikrowelle, Soda Stream, Thermomix, Wasserkocher, Kaffeemaschine
Schlafzimmer: Bett, Nachttisch, Schrank
Bad: Dusche, WC, Waschbecken, Waschmaschine, Trockner, Bügelmöglichkeit, kleiner Schrank
Haustechnik-Raum: Elektrik, Heizung, Vorrats-/Abstellbereich
Kombi-Raum: Terrarium, Sofa, Bücherregal, Musikstudio, Schreibtische, TV, Blumen

Aus dem ganzen ergibt sich dann nachfolgender Grundriss:
grundriss-leer
3d-leer
Mit ein paar Möbeln wäre dann mein Traum vom Eigenheim fertig.
grundriss
3d

Am Ende komme ich auf eine Grundstücksgröße von ca. 200qm. Ein keiner Garten für Gemüse und Kräuter soll ja auch noch dazu, außerdem ein Carport.

Das Haus ist ja noch ganz einfach zu realisieren, aber findet mal einen Bauplatz der kleiner als 400qm ist.

Aber der Mensch ist doch sozial!

Die Woche auf der Arbeit war es mal wieder soweit, zu viele Anrufe, zu viele emails, zu viele Besprechungen und keine Möglichkeit sich mal zurückzuziehen. Vor allem geistig.

Total überreizt kam ich aus einer Besprechung zurück und meine Lieblingskollegin (Achtung: Ironie!) hatte natürlich nichts Besseres zu tun, als mich zu fragen, wie denn das Meeting war.
Absolut genervt antwortete ich: „Ich wünsch‘ mir eine einsame Insel fernab von allen Menschen!“

Was bekomme ich als Antwort: „Was?! Aber der Mensch ist doch sozial, ganz alleine wird man ja krank!“

„Ja, ja!“, antwortete ich nur. Gedacht habe ich: „Dass du alleine nicht überlebensfähig bist, ist klar. Du brauchst doch nur andere, um dich auf Kosten der Gemeinschaft durchs Leben zu schmarotzen.“

Denn Frau Kollegin erscheint immer überall uneingeladen da, wo Kollegen zu Geburtstagen oder ähnlichen Anlässen einen ausgeben, und sagt dann auch noch: „Jetzt hab ich mir das Mittagessen gespart.“
Außerdem macht Frau Kollegin ihre Urlaubsplanung gerne von ihrem Arbeitsplatz aus und druckt im Anschluss alle Unterlagen auf Firmendrucker und -papier aus.
Dieselbe Kollegin, die auf die gleiche Weise mit der Kassenprüfung vom Sportverein verfährt.
Und ebenso vor versammeltem Kollegium gesagt hat: „Hoffentlich gibt es in den neuen Gebäuden auch Duschen, dann kann ich hier duschen und hab mir das Wasser daheim auch noch gespart.“

Wenn man daraus nun Bilanz zieht, bedeutet sozial, sich zu lasten der Gemeinschaft zu bereichern. Man muss halt nur soziale Raffinesse an den Tag legen, um am meisten von dem Kuchen einzuheimsen.

Aber davon mal abgesehen, werde ich definitiv krank, wenn ich zu oft mit Menschen zusammen bin.
„Ja, typisch Autist halt!“, mögen jetzt viele denken. Falsch gedacht. Oder nicht ganz richtig gedacht.
Ich bin schon gerne mit Menschen zusammen, aber vor allem mit Menschen, die sich Gedanken um die Welt machen oder meinen Horizont erweitern. Dann kommt es noch auf die Dosis an. Denn die Dosis macht ja bekanntlich das Gift. Also zu viel Zeit unter Menschen, egal, ob ich sie mag oder nicht, tut mir halt nicht gut.

Aber ich frage mich, wie sozial denn der Mensch wirklich ist. Was bedeutet überhaupt sozial? Und hat meine Kollegin vielleicht mit „sozial“ etwas anderes gemeint?

Laut Internet beschreibt sozial einen Menschen, der das Interesse hat mit anderen Menschen in Kontakt zu treten oder zusammen zu sein, sowie die Fähigkeit zu besitzen, sich in andere einzufühlen.

Und wie ist das bei mir?
Mit anderen Menschen in Kontakt treten?
Das Interesse hätte ich eigentlich schon. Leider weiß ich gar nicht, wie man das richtig macht.

Mit anderen Menschen zusammen sein?
Definitiv ja. Aber halt nicht so oft.

Sich in andere einfühlen?
Wenn ich jemanden lange genug kenne, kann ich das sicher. Hoffe ich.

Ich halte mich im Großen und Ganzen für sehr sozial, da ich den Anspruch an mich habe möglichst eigenverantwortlich zu leben und zu handeln, mir große Freiräume für mein Leben zu sichern, dabei aber niemals die Freiheiten anderer zu beschneiden.
Jeder, der meine Hilfe braucht, wird diese auch uneingeschränkt bekommen. Und jeder, heißt bei mir auch wirklich jeder.

Meine Definition von sozial ist: Sind die Mitglieder einer Gemeinschaft sozial, dann bringt jeder 100% seiner Fähigkeiten ein, damit alle ein möglichst gutes und zufriedenes Leben führen.
Das, was meine Kollegin tut, finde ich in höchstem Maße unsozial. Aber meine Definition scheint wohl genauso falsch zu sein, wie meine Definition von Teamfähigkeit (siehe „Die Relevanz der Teamfähigkeit“).

Komisch, dass meine Definitionen immer als falsch gelten.
„Das siehst du falsch!“, ist auch so ein Spruch, den ich allzu oft in meinem Leben zu hören bekam.