Neulich… beim Zahnarzt (1)

ZAHNARZT.
FURCHTBAR.
Ehrlich gesagt, gehe ich lieber zum Frauenarzt als zum Zahnarzt. Nun war es leider so, dass mir ein Stück aus einem Schneidezahn heraus gebrochen war und ich somit keine Wahl hatte. Wer will schon aussehen, wie frisch vermöbelt?

Ich rief also beim Zahnarzt an, um mir schnellstmöglich einen Termin geben zu lassen. Am nächsten Tag sollte ich vorbeikommen. Oh Gott, so schnell schon.

Als ich dann am folgenden Tag dort ankam, wurde ich direkt von der Sprechstundenhilfe belehrt, wieso ich denn vor vier Jahren zuletzt zur Kontrolle dagewesen sei.
Ich gab mich erstaunt. Solange war das schon her?
Ja aber mein Bonusheft habe doch sicher kaum Einträge und wenn ich dann mal einen Zahnersatz bräuchte.
Bonusheft? Ja?! So was hatte ich mal. Irgendwann.

Ich gehe halt nur zum Arzt, wenn ich auch was habe.

Aber egal. Ich kam zügig dran, musste mir aber trotzdem nochmal von meinem Zahnarzt sagen lassen, ich solle doch mal öfter zur Kontrolle kommen.
Ich versprach hoch und heilig, dass ich es versuchen würde.

Mein Zahn wurde geflickt und natürlich verschaffte sich mein Arzt noch einen Überblick über den allgemeinen Zustand meiner Zähne. Wohl in der Hoffnung die ein oder andere „Goldgrube“ zu entdecken. Aber er war erstaunt keine Katastrophe vorzufinden, nur ein Backenzahn hatte eine kleine Macke. Dafür, meinte er, könne ich mir ja einen neuen Termin geben lassen und den Zahnstein würde mir die Sprechstundenhilfe jetzt noch schnell entfernen.

Im Anschluss an die Behandlung ließ ich mir einen neuen Termin geben, denn wenn ich jetzt einmal angefangen hatte meine Zähne auf Vordermann zu bringen, sollte ich das auch konsequent durchziehen.
Der Termin war in der darauffolgenden Woche, aber natürlich im nächsten Quartal. Ach so, jetzt verstand ich. Neues Quartal, neues Glück.

Eine Woche später fand ich mich wieder bei meinem Zahnarzt ein. Mein Arzt war überfreundlich und spürbar gut drauf. Wieso?
Eine junge Frau betrat den Behandlungsraum. Sie wurde mir als die neue Kollegin vorgestellt, die seit Anfang des Monats hier arbeitete.
…säusel, säusel…
Die zwei plauderten und kicherten…
…und ich rollte innerlich mit den Augen.

Aber ich rückte schneller wieder in den Fokus als mir lieb war. Der neuen Kollegin wurde erklärt, wieso ich hier sei und was man letzte Woche schon alles gemacht hatte.
…säusel, säusel…
Nun sollte ich den Mund öffnen, damit man jetzt endlich die kleine Macke reparieren konnte. Der Bohrer übertönte dabei das unentwegte Gesäusel der beiden. Noch nie war ich so erfreut über das Geräusch eines Bohrers in einer Zahnarztpraxis.

Die Stelle war schnell geflickt und ich wurde nochmals belehrt, doch öfter zur Kontrolle vorbei zukommen. Es gäbe ja auch gar keinen Grund mir Sorgen zu machen, denn meine Zähne wären ja so toll in Schuss, ich hätte ja noch nicht mal Zahnstein.

Meine Gedanken hatten einen kurzen Aussetzer, dann sagte ich nur: „Ja.“
Gedacht habe ich: „Boah ey, Alter! Spätestens jetzt müsste dir doch wieder eingefallen sein, dass der Zahnstein letzte Woche entfernt wurde, wie du ja auch eben deiner jungen, hübschen Kollegin berichtet hast.
Mangels Blut zwischen den Ohren ist dir das wohl aber entfallen. Also beim nächsten Mal erst das verlustig gegangene Blut wieder in die obere Etage holen und dann reden.“

Neulich… auf der Arbeit (6)

Musik ist eigentlich eine meiner größten Leidenschaften, um nicht zu sagen eins meiner Spezialinteressen.
Doch auch ich habe anscheinend Grenzen, denn auf der Arbeit möchte ich das Radio meines Kollegen gelegentlich aus dem Fenster werfen. Leider ist die Auswahl an Sendern bei uns in den Gebäuden eingeschränkt, aber trotzdem muss man doch dann nicht den beschissensten Sender auswählen, den man finden kann.
Den ganzen Tag dieses oberflächliche Blabla und dauernd Werbung, eher selten ist mal Musik zu vernehmen. Läuft dann aber mal Musik, ist es nur das übliche Gedudel und eben dieses Gedudel wird auch noch mehrmals am Tag wiederholt. Es gibt so tolle Lieder. Wieso hört man die selten bis gar nicht?

Ich sehe ja ein, ein Hit ist ein Hit, weil eine breite Masse ihn herausragend toll findet. Folglich wird er oft gespielt. Aber könnte man nicht wenigstens einmal in der Stunde ein nicht so bekanntes Lied spielen. Ein Nicht-Hit verdient es ebenso gehört zu werden.

Was viele nicht wissen, so mancher Hit entsteht erst dadurch, dass Plattenfirmen Radiosendern viel Geld dafür geben, damit sie einen Song immer und immer wieder spielen. Denn der Mensch und auch der menschliche Gehörsinn ist ein Gewohnheitstier, was die Leute von der Plattenfirma ausnutzen.
Je öfter wir also ein Lied hören – auch wenn es uns gar nicht gefällt –, gewöhnt sich unser Gehör an das Gedudel und irgendwann haben wir uns einen Song schön gehört.

Männer versuchen ja oft sich Frauen schön zu saufen. Ich habe noch von keinem Fall gehört, wo das funktioniert hat. Daher mein Tipp an die Männerwelt: Schaut die Frauen einfach nur lange genug an, eventuell tritt hier der gleiche Effekt ein wie beim Schön-Hören.

In diesem Sinne: Rettet den Nicht-Hit, gestaltet Playlists vielfältiger!

Er liebt mich…

… oder doch sicher nicht.

Er liebt mich

Man merkt es, der Frühling naht. Die Gedanken kreisen um ein gewisses Thema. Im Teenageralter beobachtete ich meine Altersgenossen als sie den armen Pflänzchen die Blätter ausrissen, um rauszufinden, ob der oder die Angebetete die Gefühle denn auch erwidert.

Verstehen konnte ich dieses Ritual nicht, mir tat die arme Pflanze leid.
Ich war zwar auch in regelmäßigen Abständen mal verknallt, aber das Gefühl fand ich ausnahmslos lästig und störend.
Was finden die bloß alle an dem Gefühl? Ein Gefühl, das die ganze (Gedanken-)Welt in einen Ausnahmezustand versetzt und mit soviel Kummer und Schmerz verbunden ist.
Vielleicht ist es etwas anderes, wenn denn das Gefühl auch erwidert wird?

Perspektivenwechsel

Angenehme Wärme sickert langsam in meinen Bauch. Ich genieße den Dämmerzustand zwischen wacher Müdigkeit und dem dunklen Nebel, der einen kurz vor dem Einschlafen umgibt.

Plötzliche Helligkeit dringt durch meine geschlossenen Augenlider. „Was ist los?“, frage ich mich, „Ich bin doch gerade erst schlafen gegangen.“
Schläfrig hebe ich den Kopf, kann aber nichts erkennen, da mich das Licht zu sehr blendet. In weiter Ferne höre ich eine Stimme: „Na, meine Hübschen! Schlaft gut! Bis später!“
Es folgt ein magnetisches Klacken und alles ist wieder dunkel.
Bäuchlings liege ich, dicht an meinen Gefährten gekuschelt, in unserer Schlafnische. Erneut spüre ich wie die Wärme meinen Körper durchdringt. Die drei Sonnen, die sich morgens mit einem Knacken blitzartig einschalten, haben schon ganze Arbeit geleistet und unseren Wohnraum wohlig aufgeheizt. Optimale Bedingungen, um den Tag zu verschlafen.

Später am Tag – ich weiß nicht genau wie viel Zeit vergangen ist – kitzeln mich rhythmische Vibrationen am Bauch wach. Ich überlege noch, ob ich schon mal einen Blick nach draußen wagen soll, als es blitzartig hell wird.
Ich vernehme ein: „Na, mein Schatz! Du bist ja alleine! Wo ist denn dein Bubi?“
Stimmt, jetzt merke ich es auch, mein Gefährte liegt nicht mehr neben mir.
Klack.
Alles verschwindet wieder in einem Halbdunkel.
Es folgt ein metallisches Rattern und gläsernes Schieben.
„Hallo Bubi! Hier hast du dich versteckt!“, meldet sich die Stimme erneut zu Wort.

Ich frage mich, ob ich jetzt schon was zu essen bekomme, wenn ich meinen Kopf ins Helle stecke. Habe ich denn überhaupt Hunger? Ein Snack wäre toll. Mehr passt eh nicht mehr in meinen Bauch, ich bin erneut kurz vor der Niederkunft und fühle mich als würde ich jeden Moment platzen.
Ich entscheide mich, meinen prallen Bauch noch etwas an den warmen Boden zu drücken.
Zur Entspannung.

Später weckt mich das Knacken der ausgehenden Sonnen. Ich bewege mich langsam Richtung Höhlenausgang und stecke meine Nase ins Freie.
Alles bleibt ruhig, niemand da.

Ich warte… und warte. Nichts rührt sich. Gerade als ich mich zurückziehen will, vernehme ich wieder das rhythmische Vibrieren von sich nähernden Schritten. Da kommt das große zweibeinige Wesen, das mich freudig begrüßt.
„Hallo, mein Schatz! Hast du Hunger?“, fragt der Riese mich. „Oh ja, ein Snack wäre toll!“, denke ich. Leider kann ich die Laute des Wesens nicht imitieren, daher bleibt mir nur durch Körpersprache zu kommunizieren, dass ich mit einem Häppchen einverstanden bin.

Ich vernehme wieder das gläserne Schieben und mir wird ein sich noch windender Snack serviert. Schnell ist der Wurm verschlungen und ich recke den Kopf, um so zu sagen: „Wo bleibt der Nachschlag?“ Noch zweimal verständigen wir uns so, dann passt nichts mehr rein.
Ich gehe zum Wasserbereich, damit ich meinen Durst stillen und die kleine Mahlzeit vollends runterspülen kann.
Das erneute gläserne Schieben kündigt das Weggehen des Wesens an.
Da ich einmal unterwegs bin, gehe ich gleich noch aufs Klo, danach sollte ich unbedingt meine Bruthöhle prüfen. In den letzten Tagen ist das Zwicken in meinem Bauch immer stärker geworden.

Nach Beendigung meiner abendlichen Morgentoilette stecke ich meinen Kopf in meine Wurfbox und prompt streckt mir mein Gefährte seine Nase entgegen.
„Toll“, denke ich, „was macht der jetzt hier drin?!“
Entnervt gehe ich zu meinem Lieblingsplatz, zu den warmen Steinen in dem kleinen versteckten Eckchen. Dort kann ich meinen angespannten Bauch wunderbar ablegen.

Einige Zeit später kommt das große Wesen wieder und legt sich ebenfalls auf ein in der Größe passendes Gestell, dass dem Wesen sehr zu behagen scheint.
Ich gehe weiter nach vorne, bis zu dieser komischen Grenze, die ich nicht wirklich sehen kann, die mich aber daran hindert, den vollen mir sichtbaren Raum zu erkunden.
Das Wesen bemerkt mich und ich ziehe mich an dieser glatten Wand nach oben, um zu zeigen, dass ich kuscheln will.
Prompt entsteht mit diesem gläsernen Schieben ein Loch in dieser mehr oder weniger unsichtbaren Grenzen und eine Pranke greift nach mir und hebt mich in die grenzenlose Welt.

Das Wesen legt sich wieder hin und ich suche mir ebenfalls ein schönes warmes und kuscheliges Plätzchen auf meinem Retter aus der begrenzten Welt.
Toll ist das! Die noch kräftigere Wärme heizt meinem Körper richtig ein, so bin ich gleich startklar, um durch die Gegend zu flitzen. Schwangere brauchen viel Bewegung.

Und schon geht’s los. Über flauschiges Gewebe geht es zu gutem Klettergelände, dann abwärts auf eine eher glatte hölzerne Ebene zu dem grünen Gewächs, wo ich mich drunter verstecken und meine weitere Route planen kann. So düse ich durch den Wohnraum des Wesens, der aber auch durch sichtbare Wände und eben solchen mehr oder weniger unsichtbaren Grenzen eingeschränkt ist.
Ich frage mich, was das wohl für ein seltsames Hindernis ist, das mich daran hindert meine Welt vollends zu erforschen. Aber irgendwie komme ich dem nicht auf den Grund.

Nach einiger Zeit ist das Wesen wohl der Meinung, mein Ausflug hätte jetzt mal lange genug gedauert. Die warme Pranke umgreift mich vorsichtig und setzt mich wieder in meinem Reich ab.
Das gläserne Schieben sagt mir, dass es kein Entrinnen aus diesem Kasten gibt.

Was mache ich jetzt?
Am anderen Ende sehe ich meinen Gefährten in Richtung Toilette verschwinden. Tja, wer muss, der muss.
Aber das gibt mir die Gelegenheit meine Bruthöhle zu untersuchen. Schön warm hier, aber es könnte etwas feuchter sein. Als hätte das große Wesen meine Sorge gespürt, vernehme ich das gläserne Schieben und ich spüre einen leichten feuchten Sprühnebel in der Luft.
Ahh…es wird feucht! Gut!

Die Tage gehen ins Land, mehr oder weniger gleich. Doch heute merke ich ein deutliches Ziehen im Unterleib. Es geht los. Auf in die Bruthöhle.
Ich beginne ein Loch zu graben, muss aber immer wieder pausieren, wenn mein Bauch sich krampfartig zusammenzieht.
Die ganze Nacht geht das so, graben, pausieren und die Schmerzen aushalten. Dann wieder graben und nach einer Weile erneut pausieren, wenn mein Bauch verkrampft. Hoffentlich ist es bald vorbei.

Mit den ersten sanften Lichtstrahlen, die von weiter Ferne kommen, kündigt sich das erste Ei an, das langsam aus meinem Bauch in das vorbereitete Loch fällt.
Nummer 1 ist geschafft.
Erstmal kurz durchschnaufen, bevor es in die nächste Runde geht.

Die Wehen setzen erneut ein und irgendwann fällt dann Nummer 2 kurz und schmerzhaft zu Ei Nummer 1.
Endlich vorbei. Der schlimmste Teil zumindest.
Nun beginnt der nächste Akt, die Eier müssen verscharrt werden. Möglichst schnell, damit die feuchtwarme Erde meinen möglichen Nachwuchs gut schützt.

Über Stunden folgt nun ein Wechsel zwischen kratzen, scharren und die aufgehäufte Erde mit meinem Körper platt drücken. Solange bis ein ordentlicher Hügel über meinen Eiern entstanden ist und ich kaum noch zwischen Hügelkuppe und der Decke meiner Bruthöhle passe.

Erschöpft bleibe ich so eingequetscht eine Weile liegen und drücke ein wenig die Augen zu. Ich bekomme kaum mit wie sich das große Wesen nähert und das gläserne Schieben den Wohnraum öffnet. Die Decke der Bruthöhle wird angehoben und ich vernehme: „Na, mein Schatz! Du hast Eier gelegt und es hat wieder alles super geklappt. Da bin ich aber froh!“

„Ja, ich auch!“


Die andere Perspektive sieht so aus:
Immer pünktlich zu Ostern (1)
Immer pünktlich zu Ostern (2)

(Ge-) Denksteine

Vor einiger Zeit war ich in Köln unterwegs.
Zu Fuß.
Und wie ich so vor mich hin spaziere, fallen mir im Bürgersteig zwei eingelassene, glänzende Steine auf.
Ich bleibe verdutzt stehen und sehe genauer hin.
gedenksteine
Hier wohnten also zwei Menschen, die während des Zweiten Weltkrieges deportiert wurden. Keiner weiß, was mit ihnen geschehen ist, wo genau sie hingebracht wurden, wo und wann sie gestorben sind und welches Martyrium sie durchleiden mussten.

Gedenksteine sind immer dafür da, die Menschen an ein Geschehnis zu erinnern, gleichzeitig aber auch die Leute zu ermahnen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Den Spruch kennen wir ja alle aus der Schule, nicht wahr?

Dieses Mahnmal hat seine Wirkung bei mir nicht verfehlt, es hat mich nämlich zum Nachdenken gebracht und mir sind so viele Dinge bewusst geworden.

An Ort und Stelle wurde mir bewusst, dass es den Zweiten Weltkrieg wirklich gegeben hat.
Natürlich hat es den gegeben, mögt ihr jetzt denken. Das ist mir auch klar, aber ich kenne Krieg nur aus Erzählungen von meinen Großeltern, sofern sie denn darüber gesprochen haben. Meine Eltern sind Jahrgang 52, selbst sie haben Krieg nie miterleben müssen, die Nachkriegszeit und den Wiederaufbau mit all seinen Entbehrungen dagegen schon.
Ich allerdings kenne Krieg nur aus den Nachrichten oder eben durch die Erzählungen von Verwandten aus dieser Zeit und aus Filmen, wie z.B. Schindler‘s Liste. Ein sehr beeindruckender Film, wie ich finde.
Das alles bleibt aber eher unwirklich. Wie sich Krieg „anfühlt“, ist für mich nicht vorstellbar.
Zum Glück.
Das ist mir nämlich auch bewusst geworden, wie viel Glück ich doch habe, in friedlichen Zeiten zu leben.

Nun steht man da, vor diesen Steinen, liest die Namen und spürt in voller Härte, dass hier zwei Lebenswege gewaltsam verändert und beendet wurden. Wobei ja ab dem Zeitpunkt der Deportation die weitere Lebensgeschichte im Dunkeln liegt. Zwei Lebensgeschichten, die in gewisser Weise unvollendet geblieben sind.

Mir wird eine weitere Tatsache bewusst, nämlich wie wichtig es ist, seine eigene Lebensgeschichte zu schreiben. Auch wenn sie bei uns allen früher oder später mit dem Tod endet, ist es doch bedeutsam, was alles zwischen Geburt und Tod passiert und dies auch für ein gewisses Umfeld bekannt ist. Ansonsten bleibt ein Lebensweg immer unvollständig.

Die Angehörigen der zwei Verschleppten werden lange Zeit aus dem Fenster geschaut und auf die Heimkehr der geliebten Menschen gehofft haben. Jeden Tag werden sie die schlimmsten Martyrien gedanklich durchgespielt haben, die die Verwandten vermutlich durchleiden mussten.
Irgendwann muss man sich wohl aber mit der Tatsache abfinden, seine Lieben nie wieder zu sehen. Die Ungewissheit allerdings, wird es nie ermöglichen den Menschen loszulassen.

Am Ende bleibt die Frage, die sich wohl schon so viele gestellt und in Büchern, Filmen etc. aufgegriffen haben: Wie kann es überhaupt möglich sein, dass ein Wahnsinniger in der Lage war, so viele Menschen zu töten und keiner konnte dies verhindern?

Für die Zukunft hoffe ich, dass die breite Masse aus der Vergangenheit gelernt hat, damit so etwas nie wieder geschieht. Aber ich muss nur Nachrichten schauen und mit wird klar, so wie die Welt sich entwickelt, wer alles zum Staatsoberhaupt gewählt wird und welche Leute mit ihrer kranken Gesinnung mutig genug sind, sich überhaupt auf die Straße zu trauen und ihre Meinung in Mikros zu plärren, dann ist die Tendenz besorgniserregend. Um nicht zu sagen, sie macht mir Angst.

Eigentlich wäre es schön, wenn wir solche Gedenksteine gar nicht bräuchten. Aber es gehört wohl zur Menschheitsgeschichte lieber Monumente für schlimme Ereignisse und Führer aufzustellen, als an die Dinge zu erinnern, die Positives zum Weltgeschehen beigetragen haben.

Neulich… auf der Arbeit (5)

Neulich war mal wieder so ein unruhiger Tag auf der Arbeit, wo man mit seinem Problemchen von A nach B laufen muss, um dann bei F zu landen, der einem sagt, man sei bei A richtig gewesen.

Naja… gibt Schritte auf meinem Fitbit Tracker.

Aber was mir dabei so ganz nebenbei aufgefallen ist, die Herren der Schöpfung – sogar die Frischlinge und die Jünglinge unter uns – haben ihren Schreibtisch mit Familienfotos dekoriert. Zumindest die, die bereits so etwas vorweisen können. An diesem Morgen sah ich Babyfotos sowie Hochzeitsfotos en masse. Ja ganze Galerien, die das Aufwachsen der Sprösslinge dokumentierten, waren vorhanden.

Nun ratet mal, was die holden Dämlichkeiten so auf ihren Schreibtischen stehen hatten. Nein, keine Hochzeitsfotos. Keine Babyfotos. Sondern Fotos von ihren Haustieren oder generell Tiermotive oder Sonnenuntergänge, solche Sachen halt.

Das finde ich doch sehr interessant, muss ich sagen. Und das wirft doch die ein oder andere Frage auf, oder?

Also ich habe ein Foto neben meinem Schreibtisch an der Wand hängen. Auf dem Foto ist ein wunderschöner Sibirischer Tiger zu sehen, weil ich bin Tigerpate beim WWF und da bekommt man so was ab und an geschickt, damit man auch weiter brav Geld überweist.
Ich kann aber außerdem sagen, dass ich – hätte ich Kinder oder Partner – mir kein Foto von eben jenen meinen Lieben dort hinstellen würde. Ich könnte noch nicht mal begründen, wieso das so ist. Vielleicht sollte ich mal eine Umfrage machen.

Folgt man den gängigen Klischees, hätte es ja eigentlich so sein müssen, dass die Frau sich als fürsorgliche Mutter und Ehefrau mit Familienfotos schmückt und der Mann vielleicht eher Autobilder oder sowas an die Wand hängt.
Aber wieso dekoriert gerade Mann seinen Arbeitsbereich mit Gattin und Nachwuchs? Will er zeigen, dass er eine abbekommen hat und sich reproduzieren kann? Oder will er sich vor Augen halten, wofür er sich hier den ganzen Tag den Allerwertesten aufreißt?

Ich werde dies weiter beobachten, vielleicht komme ich irgendwann dahinter.

Liebe auf den ersten Blick

Die Aussage „Liebe auf den ersten Blick“ war für mich immer unfassbar oder besser gesagt nicht nachvollziehbar. Liebe ist ja schon ein starkes Gefühl. Und das soll sich in so kurzer Zeit entwickeln? Für mich nach wie ganz eindeutig: „Nein! Das ist nicht möglich!“

Was ich jedoch für möglicher hielt, war Zuneigung, Sympathie oder ja auch ein Verliebtsein auf den ersten Blick. Solche Gefühle kamen bei mir aber erst nach sehr langer Zeit zum Vorschein, wenn ich mit einem Menschen sehr oft zu tun hatte und dann irgendwie feststellte, also was der so sagt und denkt, ein toller Mann. Also eher Gefühle auf den zehnten Blick.

Nun soll es doch noch Wunder geben und ich saß im Rahmen eines Termins einem Mann gegenüber, der mich durch seine ganze Art, was er so sagte und fragte, sowie sein ganzer Umgang mit mir, zutiefst beeindruckt hat. Und es ist schon sehr schwer mich zu beeindrucken.

Doch ich verließ den Raum, um mich auf den Heimweg zu machen und merkte, dass der Mann mir nicht mehr aus dem Kopf ging und ich mich irgendwie beschwingt oder leicht fühlte. Irgendwie in mir selbst ruhend.

Die meisten würden jetzt sagen: „Ach, du hattest Schmetterlinge im Bauch!“
Nein, Insekten im Bauch, das geht doch gar nicht, wie soll sich das denn anfühlen und die können doch eh in meiner Magensäure gar nicht überleben. Ich käme auch nie auf die Idee einen Schmetterling zu essen, igitt.
Auch das sogenannte „Kribbeln im Bauch“ war nicht festzustellen, wie auch immer sich das anfühlen soll. Bei mir geht Liebe oder besser gesagt Verliebtheit nicht durch den Magen bzw. Bauch, sondern mein Kopf ist in so einem Fall im absoluten Ausnahmezustand. Kein klarer oder konzentrierter Gedanke ist mehr möglich, alles versinkt in einem Strudel, der nur in Tagträumereien und Fantasien endet.

Ich hasse dieses Gefühl des Kontrollverlusts, denn meine strukturierte Denkweise ist mir heilig.
Zumindest hasste ich es bislang, denn dieses Mal – erneut ein Wunder oder nur eine neue Erfahrung – genoss ich das Gefühl sich zu jemandem hingezogen zu fühlen.
Gut, dieses Gefühl beruht wie immer nicht auf Gegenseitigkeit, aber trotzdem verbuche ich das Ganze als Fortschritt.

Wunder kommen wohl nur in kleinen Häppchen. Oder dann, wenn man am wenigsten damit rechnet.