Neulich… auf der Arbeit (5)

Neulich war mal wieder so ein unruhiger Tag auf der Arbeit, wo man mit seinem Problemchen von A nach B laufen muss, um dann bei F zu landen, der einem sagt, man sei bei A richtig gewesen.

Naja… gibt Schritte auf meinem Fitbit Tracker.

Aber was mir dabei so ganz nebenbei aufgefallen ist, die Herren der Schöpfung – sogar die Frischlinge und die Jünglinge unter uns – haben ihren Schreibtisch mit Familienfotos dekoriert. Zumindest die, die bereits so etwas vorweisen können. An diesem Morgen sah ich Babyfotos sowie Hochzeitsfotos en masse. Ja ganze Galerien, die das Aufwachsen der Sprösslinge dokumentierten, waren vorhanden.

Nun ratet mal, was die holden Dämlichkeiten so auf ihren Schreibtischen stehen hatten. Nein, keine Hochzeitsfotos. Keine Babyfotos. Sondern Fotos von ihren Haustieren oder generell Tiermotive oder Sonnenuntergänge, solche Sachen halt.

Das finde ich doch sehr interessant, muss ich sagen. Und das wirft doch die ein oder andere Frage auf, oder?

Also ich habe ein Foto neben meinem Schreibtisch an der Wand hängen. Auf dem Foto ist ein wunderschöner Sibirischer Tiger zu sehen, weil ich bin Tigerpate beim WWF und da bekommt man so was ab und an geschickt, damit man auch weiter brav Geld überweist.
Ich kann aber außerdem sagen, dass ich – hätte ich Kinder oder Partner – mir kein Foto von eben jenen meinen Lieben dort hinstellen würde. Ich könnte noch nicht mal begründen, wieso das so ist. Vielleicht sollte ich mal eine Umfrage machen.

Folgt man den gängigen Klischees, hätte es ja eigentlich so sein müssen, dass die Frau sich als fürsorgliche Mutter und Ehefrau mit Familienfotos schmückt und der Mann vielleicht eher Autobilder oder sowas an die Wand hängt.
Aber wieso dekoriert gerade Mann seinen Arbeitsbereich mit Gattin und Nachwuchs? Will er zeigen, dass er eine abbekommen hat und sich reproduzieren kann? Oder will er sich vor Augen halten, wofür er sich hier den ganzen Tag den Allerwertesten aufreißt?

Ich werde dies weiter beobachten, vielleicht komme ich irgendwann dahinter.

Liebe auf den ersten Blick

Die Aussage „Liebe auf den ersten Blick“ war für mich immer unfassbar oder besser gesagt nicht nachvollziehbar. Liebe ist ja schon ein starkes Gefühl. Und das soll sich in so kurzer Zeit entwickeln? Für mich nach wie ganz eindeutig: „Nein! Das ist nicht möglich!“

Was ich jedoch für möglicher hielt, war Zuneigung, Sympathie oder ja auch ein Verliebtsein auf den ersten Blick. Solche Gefühle kamen bei mir aber erst nach sehr langer Zeit zum Vorschein, wenn ich mit einem Menschen sehr oft zu tun hatte und dann irgendwie feststellte, also was der so sagt und denkt, ein toller Mann. Also eher Gefühle auf den zehnten Blick.

Nun soll es doch noch Wunder geben und ich saß im Rahmen eines Termins einem Mann gegenüber, der mich durch seine ganze Art, was er so sagte und fragte, sowie sein ganzer Umgang mit mir, zutiefst beeindruckt hat. Und es ist schon sehr schwer mich zu beeindrucken.

Doch ich verließ den Raum, um mich auf den Heimweg zu machen und merkte, dass der Mann mir nicht mehr aus dem Kopf ging und ich mich irgendwie beschwingt oder leicht fühlte. Irgendwie in mir selbst ruhend.

Die meisten würden jetzt sagen: „Ach, du hattest Schmetterlinge im Bauch!“
Nein, Insekten im Bauch, das geht doch gar nicht, wie soll sich das denn anfühlen und die können doch eh in meiner Magensäure gar nicht überleben. Ich käme auch nie auf die Idee einen Schmetterling zu essen, igitt.
Auch das sogenannte „Kribbeln im Bauch“ war nicht festzustellen, wie auch immer sich das anfühlen soll. Bei mir geht Liebe oder besser gesagt Verliebtheit nicht durch den Magen bzw. Bauch, sondern mein Kopf ist in so einem Fall im absoluten Ausnahmezustand. Kein klarer oder konzentrierter Gedanke ist mehr möglich, alles versinkt in einem Strudel, der nur in Tagträumereien und Fantasien endet.

Ich hasse dieses Gefühl des Kontrollverlusts, denn meine strukturierte Denkweise ist mir heilig.
Zumindest hasste ich es bislang, denn dieses Mal – erneut ein Wunder oder nur eine neue Erfahrung – genoss ich das Gefühl sich zu jemandem hingezogen zu fühlen.
Gut, dieses Gefühl beruht wie immer nicht auf Gegenseitigkeit, aber trotzdem verbuche ich das Ganze als Fortschritt.

Wunder kommen wohl nur in kleinen Häppchen. Oder dann, wenn man am wenigsten damit rechnet.

Lächeln! Immer lächeln!

Es ist Montagmorgen. Ich bin gerade erst auf der Arbeit angekommen, will mich ganz in Ruhe auf die bevorstehende Woche einstimmen und was passiert, in der Teeküche läuft mir ein Kollege über den Weg. Gutgelaunt!
Ich sage nur: „Moin!“
Er sagt: „Lächeln! Immer lächeln!“

„Halt die Fresse!“, denke ich. Montags morgens lächeln. Auf der Arbeit, die mich ankotzt. Klar, da habe ich einen Grund zum Lächeln. Ich komme um vor Freude.

Solche Sätze hasse ich. Genauso wie: „Guck‘ nicht so böse!“ oder „Du wirkst so abwesend!“ oder „Sag‘ doch mal Piep!“

Wieso müssen Menschen immer so nervig sein. Geht doch einfach eures Weges.

Aber ich bin da wahrscheinlich wieder nicht sozial genug.

Geschmäcker sind halt verschieden!

Ein Glück, Karneval ist vorbei!
Ich muss mich ja jetzt an dieser Stelle mal als Anti-Karnevalist outen. Die närrische Zeit ist nicht meine Zeit. Und so versuche ich meinen Kontakt zur Außenwelt auf möglichst Null zu reduzieren. Die selbe Strategie übrigens wie zu Weihnachten und Silvester.

Es gibt ja einige Menschen, die nur zur Faschingszeit gut drauf sind, den Rest des Jahres aber durchgehend mit so einer Fluppe durch die Gegend laufen. In unserer Kantine gibt es zum Beispiel eine Bedienung, die immer grandios mies drauf ist.
Normalerweise läuft die Essensausgabe so ab:
Besagte Bedienung steht mit finsterer Miene vor einem: „Wat willste?“
Der/die Angesprochene äußert seinen/ihren Menü-Wunsch.
Die gewählten Speisen werden mit trostlosem Schwung auf den Teller geklatscht und anschließend wird einem der Teller aufs Tablett geknallt.
Dann heißt es nur noch: “DER NÄÄÄCHSTE!!“

Nun war ich am Altweiber-Donnerstag auch in der Kantine essen und dabei so vertieft mir die Menüs anzuschauen, dass ich die Bedienung erst bemerkte als ich hörte: „Was darf es denn sein?“
Ich hob den Kopf und schaute in ein grinsendes Clownsgesicht. Die Bemalung war zumindest freundlicher Natur, das eigentliche Gesicht dahinter blickte mich aber so mürrisch an wie eh und je.
Außer dem Satz „Was darf es denn sein?“, blieb ansonsten alles beim Alten.

An der Kasse angekommen, erwartete mich das genaue Gegenteil, ein übertrieben fröhliches Gesicht ohne Bemalung, was dort auch ganzjährig immer so gutgelaunt steht. Und an diesem Tag wurde mir mit höflichem Gesäusel noch ein Berliner gratis zu meinem Menü angeboten. Wenn ich denn wollte.

Natürlich wollte ich. Ich sollte zwar besser nicht und finde die gekauften Berliner auch gar nicht so schmackhaft, aber ich war total heiß auf eine Zuckerbombe.
Während der närrischen Tage blieb es natürlich nicht bei diesem einen Berliner, denn dauernd kam irgendwer an und offerierte einem die hochgepriesenen Köstlichkeiten. Kölner-Spezialität hieß es, mit Eierlikör.
Und zugegebenermaßen war ich einfach zu schwach, um nein zu sagen, trotzdem ich wegen der mangelnden Schmackhaftigkeit nicht in Jubelstürme ausbreche. Das liegt einfach daran, dass ich die selbstgemachten Hutsche – so heißen die Berliner in manchen Orten im Westerwald – von meiner Mama gewöhnt bin. Und meine Mama ist die weltbeste Köchin und Bäckerin.
Wer Selbstgemachtes nicht kennt, findet wahrscheinlich die gekauften Dinger köstlich. Das gleiche gilt auch für die Marmelade. Berliner sind ja üblicherweise mit solch einer roten Zuckerpampe gefüllt.
Hutsche dagegen, sind immer ungefüllt. Man beißt also in einen saftigen Teig, der wirklich nach Teig und auch ein wenig nach Zucker schmeckt. Bei den gekauften Berliner ist allerdings jeder Geschmack in Süße ertränkt. Der Teig, die Füllung, einfach alles.

Natürlich kommt es beim Verteiler der Köstlichkeiten auch nicht gut an, wenn man sagt: „Ach die süße Zuckerpampe wieder. Die Dinger schmecken ja eigentlich so lala, aber her damit, ich würg‘s runter.“
Ist der Wille mal zu schwach, esse ich in aller Stille den dargebotenen Zuckerball. Alle anderen sind komischerweise hellauf begeistert von der soften Masse. Da frage ich mich immer, ist das nur geheuchelt, weil man nicht „unhöflich“ sein will, oder schmeckt denen das wirklich so gut.

Dieses Getue habe ich bei vielen anderen Speisen auch schon erlebt. Meist ist es aber Fertigfraß, ordentlich gestreckt mit Geschmacksverstärkern. Was haben die Leute bloß für Geschmacksknospen?

Aber wie der Titel des Beitrags schon sagt, in vielerlei Hinsicht sind Geschmäcker halt verschieden.

Neulich… beim Einkaufen (5)

Neulich war ich mal wieder in meinem Lieblingsgeschäft für Haustierbedarf, um meinen Stubendinos Futter zu besorgen. An diesem Tag gab es zusätzlich zu den üblichen Grillen mal eine Box Heuschrecken, weil ich weiß, dass meine zwei Hübschen die gerne fressen.
 

Ihr solltet die Gesichter mal sehen, wenn ich mit dem Sammelsurium an Krabbeltieren an der Kasse stehe. Da kommt mir keiner zu nahe und niemand möchte doch vielleicht bitte vorgelassen werden.
Meist sind es Kinder, denen man die Neugierde noch nicht abtrainiert hat, die Fragen stellen.
„Was sind das für Tiere?“
„Wieso kaufst du die?“
„Welches Haustier hast du?“
„Du hast Geckos? Wir haben eine Katze, die hat sich neulich eine Spinne gefangen und gefressen.“

 

Mit diesen Gedanken im Kopf und auf meine Heuschrecken wartend – die werden von einer Fachkraft extra abgefüllt –, schaute ich mich um und entdeckte eine wunderschöne Vogelspinne.
Und wenn ich schon sage „wunderschön“, ich mit meiner Spinnenphobie, dann will das was heißen.

Ich war total fasziniert von den Beinen, den Füßen, dem Körper und alles mit einem dichten „Fell“ bedeckt, nur vereinzelt waren Haare etwas heller.
Die Spinne hatte ein Netz auf dem Boden gewoben und saß, die Beine dicht an den Körper gefaltet im Zentrum ihrer Falle, absolut regungslos.

Bei sowas muss ich ja immer auf meine Hände achtgeben. Wenn ich Tiere sehe, habe ich das starke Bedürfnis sie zu knuddeln und zu streicheln. Ich würde wahrscheinlich auch mitten in ein Löwenrudel stürmen, um dem König mal durch die Mähne zu wuscheln.

So ging es mir auch bei der Spinne, die aber natürlich gut gesichert in ihrem Glaskasten hockte. Gut gesichert heißt hier, zum Schutz der Spinne und nicht zum Schutz der Menschen. Ok, vielleicht auch ein wenig zum Schutz der Menschen. Man sollte eins wissen, der Biss einer Vogelspinne ist auch nicht viel schlimmer als der Stich einer Biene oder Wespe. Wer da allerdings schon allergisch reagiert, wird auch bei einem Spinnenbiss ein Problem haben.

Am meisten hat mich ja die Größe des Tiers – übrigens ein Mädchen, wurde mir gesagt – beeindruckt. Selbst mit eingeklappten Beinen hätte die Spinne gerade so auf meine Hand gepasst. Mit ausgestreckten Beinen würde sie meines Erachtens locker einen Suppenteller abdecken können.

Wie ich mir so die Nase an der Scheibe plattdrücke, wird mir auf einmal bewusst, wie wenig Raum die Spinne hat, um sich meinen neugierigen Blicken zu entziehen. Leicht beschämt ziehe ich mich etwas zurück. Während meiner ganzen Klotzerei hat sich die „Kleine“ nicht einmal gerührt, nicht mal gezuckt.
Was wird sie wohl von mir denken?
„Noch so ein Gaffer?“

Sie fängt an mir leid zu tun. Wie oft am Tag wird da wohl so ein Menschlein seine Nase an die Scheibe pressen und sie begutachten.
So sollte mal ein Mensch leben müssen, in einem viel zu kleinen Glaskasten ohne Rückzugsmöglichkeit und Privatsphäre.
Wie können wir Menschen bloß davon ausgehen, dass Tieren das nichts ausmacht.
Mein Hund hatte nachts mal Durchfall und weil ich nicht schnell genug da war, musste er auf den Teppich machen. Ihm war deutlich anzusehen, wie peinlich ihm das war. Tiere haben also sehr wohl Gefühle und ich bin der Überzeugung, ihre Empfindungen unterscheiden sich nicht von den unseren.

Wie mag sich das also anfühlen, die Welt aus einer Glasbox heraus zu beobachten, wo dann auch noch ständig jemand ungefragt reinklotzen kann?

Ja-Sager versus Quertreiber

In meinem Alltag stelle ich immer wieder fest, dass es – ganz grob eingeteilt – zwei Typen von Menschen gibt.

Da sind auf der einen Seite die Ja-Sager, die sich ihre Meinung passend biegen, damit sie möglichst ihre Ruhe haben und der Wohlfühlfaktor entsprechend hoch ist.
Auf der anderen Seite stehen die Wissenssucher, die dadurch auffallen, dass sie die Welt hinterfragen und folglich am laufenden Band anecken. Hier spricht man dann von den sogenannten Quertreibern.

So richtig sind mir diese Ausprägungen bewusst geworden, seit ich im Berufsalltag angekommen bin und leider immer wieder beobachten muss, dass die Ja-Sager die Karriereleiter hochspringen.
In den letzten neun Jahren gab es keine einzige Beförderung eines „Quertreibers“ auf eine Führungsposition, stattdessen waren es die biegsamen Kollegen, die plötzlich „Teamleader“ oder „Area Manager“ waren. Viel erschreckender war aber, dass diejenigen, die Kritik äußerten und Verbesserungsvorschläge machten, degradiert wurden. Meines Erachtens eine bedenkliche Vorgehensweise.
Natürlich hat es auch Vorteile biegsam oder – wie es gerne beschrieben wird – diplomatisch zu sein, daher halte ich es für ideal leitende Positionen immer mit einer gemischten Auswahl zu besetzen, um die Vor- und Nachteile beider Menschentypen – denn beide Varianten haben eindeutig Vor- und Nachteile – kompensieren zu können.
Aber bei den Ebenen darüber sind Ja-Sager natürlich eher willkommen, da muss man sich wenigstens nicht mit Kritik auseinandersetzen. Man bekommt ja auch keine. Toll oder? Die Welt versinkt in einer rosa Wolke, in der man makellos ist und alles richtig macht.

Rückblickend wird mir klar, mit diesen Wesenszügen wird man schon geboren bzw. übernimmt diese Einstellung von den Eltern oder wird so erzogen.
Die biegsamen Kinder lernen also bereits früh, bin ich so, wie meine Eltern mich gerne hätten, habe ich mit weniger Restriktionen zu rechnen. In der Schule setzt sich das Ganze dann fort. Schüler, die den Lehrern nach dem Mund reden, bekommen die besseren Noten und haben es grundsätzlich leichter.
Die Wissenssucher stellen hier schon mehr Fragen und versuchen den vorgegebenen Stoff tiefer zu ergründen und am Ende erdreisten sie sich noch den Sinn des Lehrplans in Frage zu stellen.
Für die Neugierigen sind Aufsätze, Referate oder Experimente spannend oder herausfordernd. Die Ja-Sager dagegen stöhnen nur über diese Extraarbeit und warten auf die Pause, wo sie versuchen einen der gutmütigen oder naiven Mitschüler – auf welche Weise auch immer – dazu zu bekommen, die unliebsamen (Extra-)Arbeiten für sie zu erledigen.

Das Schlimme an der Sache ist, vielen Lehrern ist diese Tatsache durchaus bewusst. Unterbunden wird das Ganze jedoch nicht, weil sie sich damit mehr Arbeit und Diskussionen mit den Schülern und Eltern aufhalsen würden. Leider bleibt genau dieser Umstand wiederum den Schülern – beider Lager – nicht verborgen, was die Ja-Sager in ihrem Verhalten bestärkt und die Wissenssucher frustriert.

Viele Wissenssucher schieben dies noch auf die tröstliche Möglichkeit, dass es an den zum Teil schlechten Lehrern liegt oder am langweiligen Stoff. Doch spätestens an der Uni kommt dann das Erwachen, denn wer hätte es gedacht, die Ja-Sager verirren sich auch dort hin.
Wie kommt das? In einem Studium geht es doch darum, sich sehr tiefgehendes Wissen selbstständig zu erarbeiten. Das ist doch die ganz falsche Lebensumgebung für einen Ja-Sager.

Falsch gedacht. Hier geht die gewohnte Verhaltensweise genauso weiter. Auch hier erfolgen keine Konsequenzen durch Professoren und Dozenten.

An dieser Stelle wird dann klar, den Ja-Sagern geht es nur ums Weiterkommen, das Zeugnis oder der Abschluss muss irgendwie geschafft werden. Das Ergebnis kann man sich dann später immer noch schön reden, denn sich gut verkaufen können die Ja-Sager, das muss man ihnen lassen. Wenigstens etwas müssen sie ja können, damit sie über ihr mangelndes Wissen und fehlende Tiefgründigkeit hinwegtäuschen können.

Man sollte die Hoffnung nie aufgeben, dass sich Qualität eventuell vielleicht irgendwann mal durchsetzt. Doch schauen wir uns die Welt doch mal an. Welcher Typ Mensch sitzt auf den höchsten Regierungspositionen, in Aufsichtsräten oder in Geschäftsleitungen und wo noch alles?
Es geht also deutlich in die andere – meines Erachtens in die falsche – Richtung.

Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Der gemeine Schnitzeldieb

Momentan bin ich dabei Stück für Stück meine Wohnung zu entrümpeln und aufzuräumen. Kaum zu glauben, was sich da so über die Jahre angesammelt hat.

Auf jeden Fall fiel mir ein Schuhkarton mit alten Fotos in die Hände. Nun ja, auf den meisten Fotos sind immer sehr viele Tiere um mich herum und mir wird klar, ich habe in meinem Leben deutlich mehr Zeit mit Tieren als mit Menschen verbracht. Darüber muss ich schmunzeln und ich erinnere mich an die vielen Gänse, die ich großgezogen habe. Die vielen Enten, die mich vollgeschissen habe. Die vielen Hühner, die ihre Eier nie dahin gelegt haben, wo man sie einfach hätte einsammeln können.

Dann kommt mir ein Sonntagnachmittag in den Sinn. Wir hatten damals eine offene Feuerstelle mit einem großen Schwenkgrill darüber in der Nähe unseres Stalls. Mein Vater legte Würstchen und Schnitzel auf den Grill und wir saßen gemütlich wartend zusammen.
Was wir zunächst nicht bemerkten, eins der Hühner kam immer näher. Als es circa einen Meter von der Feuerstelle weg war, schaute das Huhn uns an, dann wurde der Hals des Huhns immer länger, die Augen schielten verdächtig auf unsere leckeren Sachen.
Mein Vater sagte noch zu dem Huhn: „Gib acht, verbrenn‘ dich nicht am Feuer!“
Feuer kann Hühner wohl nicht abschrecken, denn auf einmal schwupp di wupp sprang das Huhn über die heißen Kohlen auf das Grillrost, schnappte sich ein Schnitzel und ergriff sofort die Flucht.

Mein Vater saß erst mit offenem Mund da, dann sprang er auf und plärrte: „Hey, das ist mein Schnitzel.“
Die Grillzange wild fuchtelnd, lief mein Vater dem gemeinen Schnitzeldieb hinterher. Von dem Aufruhr aufgeschreckt, reckten alle anderen Hühner die Hälse in die Höhe und hatten sofort spitz, dass da wohl möglicherweise ein Schnitzel auf dem heutigen Speiseplan stand.

Und so geschah’s, dass ein verrücktes Huhn mit einem riesigen Schnitzel im Schnabel in Richtung Maisfeld sprintete, dahinter mein Vater – fluchend –, dicht gefolgt von einer Schar Hühner. Das Schlusslicht bildete der Hahn, der etwas verwirrt über die ganze Panik dreinschaute, aber sicherheitshalber seinen Weibern einfach mal hinterher lief.

huehnerdieb

Die Horde verschwand im Maisfeld. Eine Weile passierte gar nichts. Aber dann trat mein Vater breit grinsend zwischen den Maiskolben hervor. In der einen Hand die Grillzange, in der anderen das gejagte Schnitzel. Zwar etwas mit Dreck, Steinchen und Halmen paniert, aber kurz mit Wasser abgespült war das Stück Fleisch wie neu und wurde erneut auf den Grill gelegt.

Ein blöde dreinschauendes Huhn beobachtete meinen Vater sehr genau, wie er das Schnitzel mit absolutem Hochgenuss verspeiste.

Erjagtes schmeckt halt einfach besser.